Überblick

Die Älteren Nebenarchive bieten reichhaltige Quellen zur Geschichte und Entwicklung Basels vom 12. bis 20. Jahrhundert. Dies ermöglicht im wesentlichen die erstaunliche Unversehrtheit des historischen Bestandes. Hinzu kommt die Leistung Rudolf Wackernagels, alle Ende des 19. Jahrhunderts vorhandenen Bestände in eine umfassende Systematik integriert zu haben. Dabei konnte er sich teils auf umfangreiche Vorarbeiten (u.a. beim Bischöflichen Archiv oder dem Klosterarchiv) stützen. Einige Benützungshinweise seien in der Folge exemplarisch skizziert:

Gemeindearchive

Die Gemeindearchive umfassen die Bürgergemeinde Basel, die Landgemeinden Riehen und Bettingen sowie die Gemeinde Kleinhüningen bis zu deren Eingemeindung in die Stadt Basel im Jahre 1908. Das Archiv der Bürgergemeinde Basel setzt im wesentlichen erst 1876 ein, als die Stadt in der Kantonsverwaltung aufging. Dieser Bestand erweist sich vor allem bei Fragestellungen zum Basler Fürsorge- und Gesundheitswesen, zur Forstwirtschaft sowie zum Einbürgerungswesen als aussagekräftig. Demgegenüber reicht das Gemeindearchiv von Riehen bloss bis ca. 1930; die Gemeinde führt heute ein eigenes, gut ausgebautes Gemeindearchiv.

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Gerichtsarchiv

Die Bedeutung des Gerichtsarchivs reicht weit über die Kantonsgrenzen Basels hinaus. Es erstreckt sich vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart und gilt aufgrund seiner inhaltlichen Vielfalt und seines quantitativen wie qualitativen Erhaltungszustands als historisch besonders wertvoll. U.a. ist es ein herausragender Quellenfundus für Fragen zur Alltags-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte.

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Kirchenarchiv

Im Kirchenarchiv werden die Unterlagen der Kirchenverwaltung und der einzelnen Gemeinden der reformierten Kirche (bis 1911 Staatskirche, danach bis 1973 einzige öffentlich-rechtlich anerkannte Glaubensrichtung) verwahrt. Von besonderer Bedeutung sind die pfarramtlichen Register. Seit der Reformation waren die Pfarrherren verpflichtet, Taufen, Trauungen und Todesfälle in ihren Gemeinden festzuhalten. Nicht alle kamen dieser Auflage mit der gewünschten Zuverlässigkeit nach, dennoch ist jedes einzelne Register eine personengeschichtliche Quelle von unschätzbarem Wert und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts oftmals die einzige Möglichkeit, konkrete Lebensdaten von Personen in Erfahrung zu bringen.

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Klosterarchiv

Das Klosterarchiv enthält Unterlagen, die nach der Säkularisation der Basler Klöster und Stifte im Soge der Reformation 1529 aus deren Archiven an die Stadt Basel gefallen sind sowie die Akten über die weitere Verwaltung der Klostergüter durch die Stadt. Im Klosterarchiv befindet sich das älteste Dokument des Staatsarchivs aus dem Jahre 1098.

Zusammen mit den Klosterräumlichkeiten waren weite Land- und Waldbesitze an die Stadt übergegangen. Bis ins 19. Jahrhundert wurde das sogenannte "Kirchen- und Schulgut" von der allgemeinen Staatsrechnung getrennt geführt, weshalb die Mehrzahl der vorhandenen Archivalien Beraine und Zinsbücher sind. Daher ist das Klosterarchiv für jede wirtschaftsgeschichtliche Untersuchung zu Basel im Ancien Régime eine Fundgrube. Dies gilt auch für die Regionalgeschichte, enthält doch das Klosterarchiv rund die Hälfte aller im Staatsarchiv verwahrten Urkunden.

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Universitätsarchiv

Das Universitätsarchiv wird seit 1904 im Staatsarchiv geführt. Hier besticht wiederum die grosse Dichte und zeitliche Spannweite der Überlieferung. Haben sich aus der frühen Zeit vor allem die Statutarien und Protokolle erhalten, nimmt der Umfang der Akten mit jedem Jahrhundert erheblich zu. Die Matrikeln werden allerdings als Deposita in der Universitätsbibliothek verwahrt, wo auch die Mehrzahl der Gelehrtennachlässe zu finden sind. Für die Geschichte eine der ältesten Universitäten nördlich der Alpen (Gründungsjahr 1460) sowie der Geschichte der Wissenschaften ist das Universitätsarchiv ein Quellenfundus erster Güte.

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Spitalarchiv

Das Spitalarchiv ist von grosser historischer Bedeutung. Neben zahlreichen Informationen zu den am Spital tätigen Ärzten sowie den Finanzen und Besitzverhältnissen stehen vor allem die sogenannten Krankengeschichten der verschiedenen Abteilungen (Medizin, Chirugie, Kinderspital, Frauenspital, Augenspital) im Vordergrund. Sie stammen im wesentlichen aus dem 19. und 20. Jahrhundert und bieten eine umfassende Quellenbasis für alle Untersuchungen zur Geschichte von Krankheiten sowie dem Umgang mit ihnen. Die sogenannten Krankengeschichten findet man aber nicht hier, sondern in den Einzelserien-Beständen in den Neueren Nebenarchiven. Weitere Spitalakten enthält auch das neuere Hauptarchiv (SD-REG).

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