Überblick

Das Ältere Hauptarchiv ist eine überaus reiche Basis bei der Suche nach Informationen zur Geschichte und Entwicklung Basels vom 12. bis 20. Jahrhundert. Dies ermöglicht im wesentlichen die erstaunliche Unversehrtheit des historischen Bestandes, der nur durch das Erdbeben von 1356 und den folgenden Stadtbrand bedeutende Verluste erlitten hat. Hinzu kommt die grosse Leistung Rudolf Wackernagels, alle Ende des 19. Jahrhunderts vorhandenen Bestände in eine umfassende Systematik integriert zu haben, die sich zudem noch einige Jahrzehnte lang als anpassungsfähig erwies. Einige nach thematischen Schwerpunkten ausgerichtete Benützungshinweise seien in der Folge exemplarisch skizziert:

Urkunden

Die Urkunden sind ein zentraler Bestand zur mittelalterlichen, aber auch neuzeitlichen Geschichte. Insgesamt verwahrt das Staatsarchiv rund 25'000 Pergamenturkunden. Unter der Signatur "Städtische Urkunden" finden sich 4014 Urkunden, sie reichen von 1180 bis ins Jahr 1785. Hinzu kommen ferner Urkunden unter der Signatur "Ratsbücher, Urkundenbuch". Weitere Urkunden sind in verschiedenen Abteilungen des Älteren Hauptarchivs zu finden. Ebenfalls Urkunden enthalten die Abteilungen Kirchen- und Klosterarchiv sowie das Universitätsarchiv, die zu den Älteren Nebenarchiven gehören. Jede einzelne Urkunde ist durch ein Regest erschlossen, welches im Lesesaal eingesehen werden kann. Zu verweisen ist auch auf die Serie der "Staatsurkunden", der bis vor kurzem die modernen Staatsverträge beigefügt wurden. Sie beginnt 1801 und reicht bis 1997.

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Protokolle

Ebenso bedeutsam sind die Protokollserien. Neben den Protokollen von Kleinem Rat bzw. Regierungsrat (seit 1587) und Grossem Rat (seit 1690) enthält diese Abteilung die Protokolle der verschiedensten staatlichen Kommissionen und Gremien. Zu erwähnen sind u.a. der Dreizehnerrat (1653-1798), die Haushaltung (1672-1875), das Direktorium der Kaufmannschaft (1709-1799), das Stadtbauamt (1678-1859) oder das Deputatenamt (1638-1833). Die Tradition der Ratsprotokolle setzte in Basel vergleichsweise spät ein, ihnen vorangestellt sind die Öffnungsbücher und die sogenannten Ratsbüchlein (1438 bis 1587). Die Verhandlungen des Grossen Rates werden zudem seit 1989 durch Tonprotokolle auf VHS-Kassetten dokumentiert, die bereits wenige Tage nach der Sitzung im Staatsarchiv zur Verfügung stehen.

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Politische Geschichte

Hier ist das in der Abteilung "Politisches" zusammengefasste Schriftgut von zentraler Bedeutung. In chronologischer Abfolge sind die Akten zu bedeutenden Ereignissen aus Basels Geschichte nacheinander aufgestellt. Es beginnt mit einer Serie einlaufender Briefe (1360-15. Jahrhundert) und geht vom Konzil (1431-1448) über die italienischen Kriege, den Dreissigjährigen Krieg und die Exemption 1648 sowie die Helvetik (1798-1803) bis hin zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die Beziehungen Basels zur Eidgenossenschaft sind in der Abteilung "Eidgenossenschaft" dokumentiert, diejenigen zum Ausland unter "Fremde Staaten". Die Abteilung "Räte und Beamte" gewährt den Blick ins Innenleben des Staates Basel. Hier lassen sich Kanzleijournale, Akten zur Organisation von Legislative und Exekutive, zum Stadtbanner oder zu Reden sowie zu den Verantwortlichen innerhalb der staatlichen Verwaltung finden. Nicht zuletzt sei auch auf die umfangreiche Sammlung von Zeitungen hingewiesen, die in Basel erschienen bzw. erscheinen; sie sind unter der Signatur "Zeitungen" aufgelistet.

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Personen

Die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte von Personen sieht sich für die Zeit vor 1800 einer komplexeren Quellensituation gegenüber, kann doch erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einer Registerführung im modernen Sinne gesprochen werden. Oft erweisen sich die pfarramtlichen Register als hilfreicher Ausweg. Diese findet man allerdings in den Älteren Nebenarchiven unter "Kirchenarchiv". Dennoch lassen sich in den Abteilungen "Niederlassung" (Niederlassung und Aufenthalt, Hintersassen, Aufenthaltsrödel, Ausländer in Basel, Erwerb von Liegenschaften durch Fremde), "Bürgerrecht" (Aufnahmen und Ausweisungen, Ehren- und Ämterfähigkeit) sowie "Auswanderung" personengeschichtliche Informationen aus der Zeit vor 1800 zusammentragen. Bei letzterer handelt es sich um eine heterogene Sammlung von Dokumenten, die ab 1732 im Zusammenhang mit dem Auswanderungswesen entstanden sind. Nach dem Verlust der Archive der grossen Auswanderungsagenturen stellen diese Akten die einzigen einschlägigen Unterlagen dar, weshalb sie auch bis zum Jahre 1853 durch ein Personenregister erschlossen wurden, das als Repertorium E 9 greifbar ist. Die modernen staatlichen Register des Zivilstandsamtes (seit 1870) verwahrt das Staatsarchiv in der Abteilung "Civilstand".

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Stadtentwicklung

Zu Fragen der Stadtentwicklung geben Abteilungen wie "Beleuchtung", "Elektrizität" oder "Eisenbahn" Auskunft. Die Wasserversorgung ist unter "Brunn" dokumentiert. Diese Abteilung enthält mit den vom Brunnmeister Zschann kommentierten Plänen der Brunnwerke Münster und Spalen aus dem frühen 16. Jahrhundert zwei einmalige Kulturgüter von europäischer Bedeutung. Während sich die quantitative Bevölkerungsentwicklung ab dem 19. Jahrhundert aufgrund der unter "Volkszählung" verwahrten Akten untersuchen lässt, geben uns die "Hausurkunden" Einblick in die Geschichte einzelner Liegenschaften. Darin sind Käufe, Verkäufe und Umbauten dokumentiert, sie enthalten aber auch Miet- und Pachtverträge, Inventare, Servituten und Wasserrechte ab dem 14. Jahrhundert. Als unverzichtbar erweisen sich die Unterlagen der Abteilung "Bau", die unter anderem die konkrete Entwicklung der einzelnen Strassenzüge belegen.

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Wirtschaftsgeschichte

Fast einmalig präsentiert sich die Quellenlage zur frühen Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Die Abteilung "Finanz" enthält nahezu lückenlos die Wocheneinnahme- und -ausgabebücher seit 1371. Hinzu kommen eine Vielzahl an Rechnungsbüchern, Zinsbüchern sowie Büchern zu Wechsel und Anleihen. Die wirtschaftliche Realität seit dem 17. Jahrhundert schlägt sich aber auch in "Handel und Gewerbe" nieder, wo sich Unterlagen zum Handelskollegium der Stadt, zu Handels- und Transitabkommen, Geldanlagen, Fuhr- und Frachtwesen, Reisewege, Fabrikinspektionen und zu einzelnen Betrieben verschiedener Betriebssparten finden lassen. Schliesslich sei auch die Abteilung "Steuern" erwähnt, die u.a. Steuerbücher aus dem 14. Und 15. Jahrhundert enthält.

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Kulturgeschichte

Zur Erforschung der Kulturgeschichte Basels eignen sich die Unterlagen der Abteilung "Erziehung". Diese sind so vielfältig wie umfangreich und geben Einblick in die Entwicklung des Schulwesens und der Universität. Private Institute erscheinen hier ebenso wie Museen oder die Denkmalpflege. Wer sich für die Fasnacht, die Theatergeschichte oder Schaustellungen und Aufführungen aller Art interessiert, sei allerdings auf "Straf und Polizei" verwiesen.

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Sozialgeschichte

Auch das weite Feld der städtischen Sozialgeschichte kann sich auf "Straf und Polizei" stützen. Diese Abteilung enthält neben den bereits erwähnten Aktengruppen die Polizeirapporte sowie Unterlagen zu Unglücksfällen und Verbrechen aller Art enthält und bietet damit Auskunft zu konkreten Schicksalen aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten. Hinzu kommen normative Akten zu Strafgesetz und Strafvollzug sowie zu Sittenordnungen, Bettel, Zigeuner etc. Zu beachten ist, dass die vorhandenen Unterlagen bis weit über das Jahr 1936 hinausreichen. Weiter erweist sich die Abteilung "Sanität" als reiche Quelle bei Fragestellungen zur medizinischer Versorgung, zur Lebensmittelkontrolle oder zur Wohnhygiene. Auch die Ernährung der Bevölkerung lässt sich ab dem 15. Jahrhundert untersuchen. Die Abteilung "Frucht und Brot" gibt Auskunft über die Getreideversorgung und die Getreidelager, über die Märkte und Preise sowie über den Import von Früchten oder das Erteilen von Transitbewilligungen. Akten zu den Viehmärkten und der Versorgung mit Fleisch finden sich unter "Fleisch". Nicht zu vergessen ist die Abteilung "Vogtei", die das Vormundschaftswesen ab dem 16. Jahrhundert dokumentiert. Die Unterlagen der Gerichte findet man demgegenüber in der Älteren Nebenarchiven.

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