Geschichtswettbewerb Historia

Seit 2003 führt der gemeinnützige Verein HISTORIA den Schweizer Geschichtswettbewerb für Jugendliche durch. Ziel des Wettbewerbs ist es, Jugendliche aus der ganzen Schweiz zu eigenständiger und kritischer Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit anzuregen.
Der Wettbewerb 2017-2019 steht unter dem Thema "Jugend in Bewegung": Wann, wo und wie engagierten sich Jugendliche für Gegenwart und Zukunft? Was waren die Schicksale von Migrantenkindern, Verdingkindern, jugendlichen Flüchtlingen?

Im Staatsarchiv Basel-Stadt lagern viele Quellen. Hier zwei Beispiele aus dem Bestand der Fremdenpolizei: Fallakten von deutschen Jugendlichen, die in den 1930er-Jahren Zuflucht in der Schweiz suchten.

Historia. Schweizer Geschichtswettbewerb

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Fremdenpolizeiakte Arnold Wochenmark (geb. 1921)

Arnold Wochenmark, geboren am 31. März 1921 im deutschen Ort Crailsheim, kam im Sommer 1937 als sechzehnjähriger Jugendlicher nach Basel. Hier wollte er eine Lehre als Bäcker bei seinem Onkel Isaak Leder machen, der an der Eulerstrasse in der Nähe der Basler Synagoge eine Bäckerei- und Conditorei betrieb. Wegen seines jüdischen Glaubens konnte Wochenmark nach Abschluss der Lehre 1941 nicht wieder nach Deutschland zurückkehren. Die Eidgenössische Fremdenpolizei erteilte ihm eine Toleranzbewilligung „zwecks Vorbereitung der Auswanderung“, die während des Krieges immer wieder verlängert wurde.

Ein Gesuch, seine von der Deportation bedrohten Eltern in die Schweiz zu holen, wurde Ende 1941 von der Eidgenössischen Fremdenpolizei trotz Aufenthaltszusicherung des Kantons Basel-Stadt und Hinterlegung einer beträchtlichen Kaution abgelehnt. Der Vater nahm sich 1943 vor der Deportation das Leben, die Mutter wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Ab 1941 arbeitete Wochenmark in den Sommermonaten im Arbeitsdienst in Arbeitslagern für Emigranten und im landwirtschaftlichen Arbeitseinsatz, in den Wintermonaten ab 1942 zeitweise wieder bei seinem Onkel in der Bäckerei. 1943/1944 konnte er zudem eine Volontärstelle als Kochlehrling in Basel (unter anderem im Hotel Drei Könige) antreten. 1945 heiratete er Johanna Braunschweig, ebenfalls eine Emigrantin. Das junge Ehepaar verliess die Schweiz am 31. Januar 1946 mit Reiseziel Grossbritannien. Von dort aus emigrierten beide in die USA.

Fremdenpolizeiakte Gerd Fleischmann (geb. 1925)

Gert Fleischmann, geboren am 13.6.1925 im badischen Adelsheim, kam im Juni 1939 nach Basel. Wegen der Repressionen gegen die deutschen Juden hatte er von seinem Wohnort Lörrach  – wie andere Kinder auch – bereits seit einiger Zeit die Schule in Riehen besucht. Zunächst wurde ein Gesuch des Schweizer Hilfswerks für Emigrantenkinder im Rahmen der sogenannten 300-Kinderaktion abgelehnt, die persönliche Fürsprache durch einen Basler Pfarrer und seine Frau bewegte dann die Kantonale Fremdenpolizei, dem jungen Mann zwecks „Vorbereitung der Auswanderung“ eine Aufenthaltsbewilligung auszustellen. Seine Mutter hielt sich bereits seit dem Januar 1939 in Basel auf, der Vater war in Lörrach geblieben, von wo aus er 1940 in das Lager Gurs in Frankreich deportiert wurde.

Ab dem Jahresbeginn 1941 absolvierte Gerd Fleischmann eine Lehre als Bäcker-Patissier in der Bäckerei von Paul Karle an der Frobenstrasse 41, die er Anfang 1944 erfolgreich abschloss. In dieser Zeit wohnte er im Haus der Familie Karle. Anschliessend erhielt er aber trotz Mangels an Bäckern nur eine befristete Arbeitsbewilligung der Fremdenpolizei, die Ende 1944 nicht verlängert wurde. Im Februar musste er in ein Arbeitslager für Emigranten im Kanton Zürich einrücken, wo er bis Mai 1946 verblieb. Danach arbeitete er erneut in der Bäckerei Zimmerli an der Feldbergstrasse. Fleischmann verliess die Schweiz am 31.12.1946 in Richtung Belgien, von wo aus er in die USA weiterreiste.