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Vitamin C für alle!
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Sind Sie sicher, dass Ihre tägliche Vitamin C-Brause wirkt? Lassen Sie sich bei der Lektüre der soeben erschienenen Publikation des Wissenschaftshistorikers Beat Bächi von der Erfolgsgeschichte des weltweit bekannten Stoffs ohne Wirkung überraschen. Der Weg der synthetischen Herstellung von Vitamin C führt u.a. ins Staatsarchiv, zum Nachlass von Tadeus Reichstein.

1933 begann das künstliche Vitamin C seinen Aufstieg eine Art Wunderdroge. Heute findet es sich nicht nur in Mulitvitaminpräparaten, sondern beispielsweise auch zu Konservierungszwecken in verschiedenen Nahrungsmitteln. Das Buch des Autors Beat Bächi zeichnet die fesselnde Geschichte der komplexen Herstellung und der ausgefeilten Vermarktung nach und zeigt auf, wie kulturelle, ökonomische, politische und technische Mechanismen zum Erfolg beitrugen.

Zahlreiche Akteure waren an diesem Erfolgt beteiligt. Es war jedoch das Basler Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche, das ausgehend von Patentrechten von Tadeus Reichstein eine marktbeherrschende Position im Vitamin C-Geschäft eroberte. Um dem künstlichen Vitamin C zum Durchbruch zu verhelfen, wurden – im Verbund mit Gesundheitsbehörden – neue Krankheitsbilder geschaffen, welche die Einnahme von Vitamin C als ratsam erscheinen liessen. Der Konsum von Vitamin C wurde im Schatten des Zweiten Weltkriegs zu einer neuen Bürgerpflicht und für die Auftrechterhaltung der Gesundheit in indurstriellen Gesellschaften als notwendig angesehen. Dabei galt die Sorge nicht mehr nur der individuellen, sondern immer mehr auch der Gesundheit des „Volkswirtschaftskörpers“.

Nachlass Tadeus Reichstein im Staatsarchiv Basel-Stadt

Das Quellenmaterial für die Studie von Beat Bächi, die von der ETH Zürich 2008 als Dissertation angenommen wurde, stammt aus dem Nachlass des Nobelpreisträgers Tadeus Reichstein im Staatsarchiv Basel-Stadt sowie aus dem Historischen Archiv Roche. Das umfangreiche Privatarchiv (PA 979 und PA 979a) umfasst 41 Laufmeter und eine reiche Fülle an persönlichen und wissenschaftlichen Unterlagen von Tadeus Reichstein, so u.a. die gesamte wissenschaftliche Korrespondenz aus dem Umfeld der Hochschulen Zürich und Basel und der Industrie.

Die Forschungsarbeit von Beat Bächi wurde von der Dr. H.A. Vöglin-Bienz-Stiftung unterstützt. Die Stiftung fördert Projekte zur Vermittlung und Auswertung des historischen Reichtums der im Staatsarchiv Basel-Stadt aufbewahrten Unterlagen.

Das Buch:
Beat Bächi
Vitamtin C für alle!
Pharmazeutische Produktion, Vermarktung und Gesundheitspolitik (1933-1953)
Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik, Band 14
2009. 280 S. 19 Abb. Br. CHF 38.00
Chronos Verlag, Zürich
ISBN 978-3-0340-0921-8

Der Autor:
Dr. sc. Beat Bächi, studierte Allgemeine Geschichte sowie Soziologie und Philosophie. Er ist Dozent an der ETH Zürich und bearbeitet seit 2007 an der Universität Bielefeld ein Projekt zur regulativen Wissenschaft im Bereich der Gefahrstoffbewertung.


http://www.zeit.de/2009/21/A-Vitamin-C



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