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Die Basler Wunschbücher im Staatsarchiv

Am 25. Januar 2010 wurden die Basler Wunschbücher von Regierungspräsident Guy Morin und Willi Paul Paulussen, dem Urheber des Wunschbuchs, dem Staatsarchiv übergeben. Staatsarchivarin Esther Baur nahm dieses interessante Zeitdokument mit ungefilterten, komprimierten Aussagen in Form von rund 500'000 Wünschen aus den Jahren 1993 – 2009 für ein langfristige Überlieferung entgegen.

Seit 1993 kennt die Basler Bevölkerung das Wunschbuch und macht rege Gebrauch davon. Jährlich tragen während der Adventszeit bis zu 20 000 Menschen ihre Wünsche ein. Bis nach Neujahr füllt sich das grosse Buch im Format eines mittelalterlichen Kodex mit tausenden von grossen und kleinen Wünschen. Sie stammen von wachen Menschen, die die Gelegenheit nutzen, um sich ungefiltert mitzuteilen. Die Eintragungen werden von anderen gelesen, ergänzt und kommentiert. Die Idee zu diesem mittlerweilen vorweihnachtlichen Ritual hatte der Event- und Ausstellungsgestalter Willi Paul Paulussen. Mit dem Wunschbuch ermöglichte er im digitalen Zeitalter eine ganz andere Art, fast anachronistisch anmutende Form der öffentlichen Kommunikation.

Für Staatsarchivarin Esther Baur sind die Bücher ein wichtiges Zeitdokument und historisch relevant: „Es handelt sich zweifellos um eine sehr interessante Zeitspanne von den 90er-Jahren über die Jahrtausendwende bis heute – von der Wende zur Krise. Die in den Wunschbüchern komprimierten Aussagen aus der Öffentlichkeit ermöglichen es, eine Reihe von spannenden Fragen zu stellen“, meinte sie bei der Übergabe der Wunschbücher. Beispielsweise, ob die Wünsche mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung korrespondierten oder ob sich die Themen der Zeit in den formulierten Wünschen spiegelten. Für Regierungspräsident Guy Morin sind die Wunschbücher eine Art „Pulsmesser der Gesellschaft, die ihm für eine bürgernahe Politik wichtig sind. Die unmittelbaren Anliegen aus privater Sicht sprechen auch politische Themen an und sind Ausdruck einer persönlichen, aber auch sozialen Befindlichkeit der Bevölkerung. Für den Regierungspräsidenten ist es eine wichtige Form von Dialog und Partizipation, die in Zukunft mit dem Einbezug der Quartierbevölkerung noch verstärkt werden soll. Die Übernahme der Wunschbücher in das Staatsarchiv sei für ihn ein wichtiger Schritt, um das Mitspracherecht der Bevölkerung ernst zu nehmen.

Im Staatsarchiv werden die Wunschbücher erschlossen und im Verlaufe des Jahres der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war auch ein wichtiger Grund für Willi Paul Paulussen, der das Basler Wunschbuch ins Leben gerufen hat, die Bücher dem Staatsarchiv zu übergeben. Mit der nachhaltigen öffentlichen Zugänglichkeit gewinnen die Wunschbücher an Bedeutung und stehen für Recherchen und für eine interdisziplinäre Forschung zur Verfügung. Esther Baur erklärt, dass diese privaten Aussagen aus dem Wunschbuch über eine längere Zeitspanne gesammelt, staatliche Unterlagen ergänzen und ihre Aussagekraft erweitern könnten. „Wie die verschiedenen, teils bedeutenden Privatarchive stellen die Wunschbücher eine Art Sonde dar, die zusätzliche Informationen an die Oberfläche bringt“. Es sei eine besondere Qualität von Aussagen, die hier jenseits von den politischen oder behördlichen Prozessen oder von Vernehmlassungen, Referenden, Initiativen und Umfragen aus der Öffentlichkeit zusammenkommen. Ein wichtiges Kriterium für die Übernahme der Wunschbücher sei gerade dieser unverfälschte Blick aus einer offenen Interaktion zwischen Privatpersonen und Regierung, aber auch mit der breiten Öffentlichkeit.

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